1917 - Der wahre Oktober. Ein Film von Katrin Rothe

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Trailer

Der Film

1917 – DER WAHRE OKTOBER ist eine filmkünstlerische Neuerzählung der Russischen Revolution. Basierend auf Recherchen in teils bisher unbekanntem Quellmaterial, in Tagebüchern, Berichten und literarischen Werken ihrer Trickfilm-Protagonisten - Künstler wie Maxim Gorki und Kasimir Malewitsch - unternimmt die zweifache Grimme-Preisträgerin Katrin Rothe eine multiperspektivische Befragung dessen, was heute weithin als „Die Oktoberrevolution“ bekannt ist. Ein Novum: die russische Revolution mal nur aus der Sicht beteiligter Künstler.

Was geschah in Sankt Petersburg, damals Petrograd, in der Zeit zwischen den Aufständen im Februar, die den Zaren zur Abdankung zwangen, und der Machtübernahme der Bolschewisten im Oktober? In dieser Phase der Provisorischen Regierung, einer Doppelherrschaft des Parlaments Duma sowie den Arbeiter- und Soldatenräten, den Sowjets, versank Russland in Chaos und Anarchie. Mitten im fortdauernden Weltkrieg verblieb es ohne verbindliche Verfassung. Woran lag es, dass keine bürgerlich-parlamentarische Demokratie gebildet wurde? Wie veränderte die Rückkehr Lenins und Trotzkis die Lage im Frühjahr? Auf welchen Seiten stand wann und wofür wie viel Militär oder anderweitige Waffengewalt?

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Das Augenmerk der Regisseurin gilt den Entwicklungen innerhalb eines gefährlich instabilen Machtvakuums. Entlang an der historischen Chronologie der Ereignisse taucht sie mit ihren Figuren in deren gesellschafts-, kultur- und staatspolitische Diskurse ein, in private Gedankenwelten, kühne Visionen und flammende Plädoyers – in widersprüchliche, lebendige Haltungen, die sich im Laufe des Geschehens wandeln. Aus der Vielfalt der Reflexionen der künstlerischen Zeitgenossen entsteht, arrangiert mit fröhlichem Ernst, eine pointierte Differenzierung der zwei Revolutionen des Jahres.

Wie weltberühmt die Filmprotagonisten werden würden, ist zum Zeitpunkt des Geschehens noch unbekannt. 1917 in Sankt Petersburg pflegen sie alle Kontakte untereinander sowie zu diversen Gesellschaftskreisen. Die Lyrikerin Sinaida Hippius (Stimme: Claudia Michelsen), damals 47, wohnt gegenüber des Taurischen Palais, des Parlamentsgebäudes, in dem die uneinige Provisorische Regierung getrennt konferiert. Sie ist mit einigen Ministern befreundet und manche politisch gewichtige Schrift wird an ihrem Küchentisch verfasst. Der arrivierte Maler und Kritiker Alexander Benois (Hanns Zischler), 47, wie auch der international anerkannte Schriftsteller Maxim Gorki (Martin Schneider), 49, sind bereits etablierte Größen im russischen Kulturleben. Beide befürchten die Zerstörung von Kunst und Kreativität. Der umtriebige Avantgardist und Soldat Kasimir Malewitsch (Arne Fuhrmann), 38, erweist sich als tatkräftiger Organisator und veröffentlicht ein Manifest nach dem anderen. Wladimir Majakowski (Maximilian Brauer), der 25-jährige exzentrische Dichter, rast unermüdlich durch die Stadt, ist überall da, wo es gefährlich ist und legt sich mit den älteren Künstlern an. Er träumt von einer neuen Welt und einer radikal anderen, wahrhaft demokratischen Kunst.

Sinaida Hippus, die poetische „Chronistin“ der Ereignisse 1917, notiert im Februar: „Ich kann mich wie jeder andere in dieser Zeit nicht zurechtfinden“, und im Herbst: „Es gibt keine Heimat mehr.“ Fast hundert Jahre später kehrt die Filmkünstlerin Katrin Rothe die bunten Ausschnittreste ihrer Legetrickfiguren und -szenarios auf dem Boden des Arbeitszimmers zusammen. Die eingefügten Realszenen mit ihr als fragender und ordnender Erzählerin (Stimme: Inka Friedrich), verknüpfen die animierten Bilder. Von der Lektüre zahlreicher historisch-wissenschaftlicher Bücher unbefriedigt, sucht und findet sie in künstlerischen Zeitzeugnissen lebendigere Gedanken, Beobachtungen, “Wahrheiten”. Zugleich wächst unter ihren Händen nach und nach ein chronologischer Zeitstrahl der geschichtlichen Fakten heran – letztlich umwoben von einem Vielgespinst “roter Fäden”: Die Annäherung bleibt vielstimmig wie das Leben, auch im rekonstruierenden Rückblick.

Die visuelle Ästhetik des Films ist an jener der damaligen Zeitgenossen orientiert, an der experimentierfreudigen, abstraktionsstarken, klaren Farb- und Formensprache der russischen Avantgardisten, und entfaltet, mit viel Charme ins Heute adaptiert, einen gänzlich eigenständigen Stil. Bezeichnend für 1917 – DER WAHRE OKTOBER ist seine unerschrocken fantasievolle Mischung bildnerischer und filmischer Mittel. Diverse Materialien wie Pappen, Schnüre, Stoffe fügen sich collagiert zu den charakteristischen Hauptfiguren, die in Legetrick-Animationen zu komplexer und äußerst variabler Mimik, Gestik, Körpersprache “erwachen”.

Dabei verleugnet kein Stückchen Luftpolsterfolie oder Kunstpelz seine konkrete Beschaffenheit, im Gegenteil, das Dingliche spielt mit in der Gesamtkomposition. Die Interieurs, Hintergründe und Stadtpanoramen kombinieren Siebdrucke, feine Strichzeichnungen, colorierte Tableaus unterschiedlichster Lichtstimmungen, vor denen die Akteure, wie auch Scherenschnitte demonstrierender Massen, tanzender Paare oder marschierender Truppen sowie dreidimensional collagierte Objekte zum Zuge kommen. Historische Schwarz-Weiß-Filmaufnahmen ergänzen die Dramaturgie um eindrückliche Verweise auf die realgeschichtliche Ebene und deren grundexistenzielle Dimension. Wie das Visuelle, ist auch das Auditive des Films ein stringent gemischtes Miteinander heterogener Elemente. Eigens komponierte Musik von Thomas Mävers , Geräusche, historische O-Töne, klangliche Ereignisatmosphären und die Sprecherstimmen bilden einen Fluss unterschiedlich dichter Schichtungen, der die Bildstimmungen stärkt und um seine eigenen bereichert.

Erstmalig beleuchtet 1917 – DER WAHRE OKTOBER das historische Sujet anhand entsprechender Künstlerbiografien – und verhandelt somit zugleich übergeordnete, zeitlos relevante kulturgeschichtliche und -theoretische Aspekte: Welche Rolle spielen Kunst und Künstler, welche können sie spielen in Umbrüchen, Aufbrüchen, Umwälzungen bestehender Gesellschaftssysteme? Wo und wie treiben sie, mit ihren Gestaltungen, Ideen, Visionen, aber auch erklärend, propagierend, zweifelnd, selbst die Ereignisse voran? Setzen sie sich für den Erhalt kulturellen und künstlerischen Erbes ein? Oder für Erneuerungsprozesse durch Zerschlagung des Alten? Was sind dabei ihre Spielräume? Wie steht es um die Kunst, wenn das blanke Leben in Gefahr ist? In welchen Verhältnissen standen und stehen Künstler zu politischen Gefügen, zu Staats- und Finanzmächtigen? Kann Kunst je tatsächlich demokratisch sein? Ist künstlerische Autonomie oder kollektive Selbstverwaltung möglich? Wie? Im Film beantwortet das Handeln und Denken der Protagonisten diese Fragen unterschiedlich. Jeder der Künstler nimmt anders wahr was geschieht, verarbeitet es individuell in seinen Reflexionen und Werken, im Alltag und politischen Einsatz, und gibt es dadurch in sein Umfeld zurück, wo es weiterwirkt. Im Konkreten des russischen Revolutionsjahrs zeigt sich Kulturgeschichte exemplarisch als eine Summe von historischen Umständen, Ereignissen und persönlichen Schicksalen.

Daten sind wie im Film selbst in dem bis zum 31.1.1918 gebräuchlichen Julianischen Kalender aufgeführt, der 13 Tage weniger zählte als der westliche Gregorianische Kalender.

St. Petersburg = Petrograd
23. Februar bis 3. März 1917: Februarrevolution (auch Abdankung des Zaren)
24.-26. Oktober: Bolschewistische Machtübernahme (auch Oktoberrevolution)

Cast & Crew

Katrin Rothe - Regie

Katrin Rothe ist gebürtige Thüringerin, studierte von 1992 bis 1998 Experimentelle Filmgestaltung an der UdK-Berlin und am CSM in London. Seit 2001 ist sie freiberufliche Trickfilmerin und seit 2003 Filmemacherin, vorwiegend für Dokumentarfilme mit Trickfilmsequenzen. Ein mal jährlich unterrichtet sie an der FH in St.Pölten. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Filme: „Betongold - wie die Finanzkrise in mein Wohnzimmer kam“ (2013) „Polen für Anfänger“ (2010) „Die Ex bin ich“ (2009) „Dunkler Lippenstift macht seriöser“ (2003)

2007 + 2014 Adolf-Grimme-Preis

Maximilian Brauer spricht Wladimir Majakowski

„Genossen, wenn ihr wollt, dass eure Manifeste, Plakate und Banner mehr Aufmerksamkeit erregen, lasst euch von den Künstlern helfen.“

„Wenn ihr wollt, dass eure Proklamationen und Aufrufe stärker und überzeugender wirken, lasst euch von den Poeten und Schriftstellern helfen.“

„Im Rhythmus einer schmissigen Musik schrieb ich einen Zweizeiler:
‚Friß Ananas, Bürger, und Haselhuhn.
musst bald deinen letzten Seufzer tun.‘
Dieser Zweizeiler wurde mein Lieblingsspruch.“

Wladimir Majakowski ist der Dichter der Revolution 1917. Er wird von Gorki gefördert. Majakowski ist besessen von der radikalen Erneuerung der Kultur. Im Februar organisiert er mit die Autos der Straßendemonstration. Er ist auf den Straßen unterwegs und tritt bei Versammlungen und Diskussionen in Erscheinung. Majakowski kritisiert Maxim Gorki und greift Benois an. Gleichzeitig ersucht er oft deren Hilfe. Die zahlreichen Versammlungen zur Neuorganisation ermüden ihn schnell. Majakowski provoziert lieber und probiert neue Formen der Kunst für die Straße aus. Majakowski wird zur poetischen „Stimme des Oktobers“.

Hanns Zischler spricht Benois

„Mehr denn je, fühle ich mit meinem ganzen Wesen, dass es erforderlich ist, den Krieg zu beenden. Und zwar sofort und egal zu welchem Preis! Dies ist ein kategorischer Imperativ.“

„Das ist Volkskunst, das ist unser Gut, und es muss alles in unserer Kraft stehende getan werden, damit es dem Volk bewusst wird und es von dem Besitz ergreift, was ihm zusteht.“

„In den Küchen und Gesindestuben wurden für heute die schrecklichsten Dinge prophezeit: allgemeines Abschlachten u. ä. Unser Hausdiener hat sogar den Vordereingang verschlossen und wollte niemanden aus dem Haus lassen!“

„Auf keinen Fall hätte ich jedoch erwartet, dass es heute passieren würde und dass wir gerade die letzten Stunden unserer „bourgeoisen Weltordnung“ erlebten.“

Alexander Benois ist bedeutendster Kunstkritiker seiner Zeit. Er ist ein Schöngeist, Maler und versteht sich als Pazifist. Im Kampf um den Schutz des russischen Kulturerbes und der Gründung des Kulturministeriums wird er zu Gorkis Mitstreiter. Seine Abscheu vor dem Krieg lässt ihn mit der Revolution sympathisieren, jedoch findet er keinen Anschluss. In den Tagen des Oktoberumsturzes sorgt er sich vor allem um die Kulturgüter in der Ermitage. Kurz nach dem Sturm des Winterpalais, findet und sichert er handschriftliche Notizen der Zarenfamilie. Benois versucht bei all den Ereignissen um ihn herum eine neutrale Haltung bewahren.

Claudia Michelsen spricht Sinaida Hippius

„Gut wäre es, wenn man blind und taub würde. Einfach kein Interesse zeigte, Gedichte schriebe von „Ewigkeit und Schönheit“. (Ach, wenn ich das nur könnte!)“

„Auf dem Newski wurden überall die Zaren-Adler zertrümmert, sehr friedlich, die Hauswarte fegten aus, Jungen schleppten die Flügel herum und schrien:
‚Da, ein Flügelchen zum Mittagessen!‚“

„Ich bin nicht blind, ich weiß, dass keine intellektuellen Manifeste uns vor diesen Kanonen retten können,...“

Sinaida Hippius war die Lyrikerin des Symbolismus und eine bekannte Literaturkritikerin. Sie gilt als Grande Dame des Petersburgers Literatur und Philosophensalons. Sie verabscheut die Bolschewiki. Hippius wohnt direkt gegenüber dem russischen Parlament, der Duma, und wird Zeugin verschiedenster Ereignisse. In ihrer Wohnung verkehren Politiker der provisorischen Regierung, auch der Regierungschef Kerenski. Hippius tritt für den bürgerlichen Parlamentarismus ein. Mit der Machtübernahme der Bolschewiki endet ihre Utopie.

Martin Schneider spricht Maxim Gorki

„Jetzt gründe ich selbst eine Partei, auch wenn ich nicht weiß, wie ich sie nennen soll. Das einzige Mitglied dieser Partei bin ich. Ich glaube nicht, dass sie jemals drei Mitglieder haben wird.“

„Ja, gegen die Anarchie muss man beständig ankämpfen, aber manchmal muss man auch die eigene Angst vor dem Volk besiegen.”

„Ich stelle nachdrücklich fest: Mit dem russischen Proletariat wird ein Experiment gemacht. Das Schlimmste daran ist, dass es vom hohen Ideal des Sozialismus für lange Zeit enttäuscht sein wird.“

Maxim Gorki war und ist auch heute noch ein international bekannter Schriftsteller. Er ist ein engagierter Kritiker des Zarenregimes. Schon lange vor der Februar Revolution ist Gorki Marxist, und Freund Lenins. Er zählt zu den festen Größen in den Kreisen der Petersburger Intelligenzia. Im Februar 1917 gründet er unbürokratisch die Gorki-Kommission zur Aufklärungsarbeit und zum Schutz der Denkmäler. Im Laufe des Jahres distanziert er sich immer mehr von Lenin und den Bolschewiki.

Arno Fuhrmann spricht Kasimir Malewitsch

„...Ihr allein, Maler, Bildhauer, Schauspieler, Dichter, Musiker und Architekten, müsst geschlossen zur Verteidigung der Kunst antreten. Nur ihr könnt der jungen Generation zu Hilfe kommen, die den Funken des Neuen in sich trägt. Nur von euch wird der Aufruf zur Kunst über das ganze Land erschallen....“

„..Alles im Leben hat sich verändert, das Leben hat neue Steuermänner, lebendige, gesunde und starke – aber am Steuer der Kunst sitzen immer noch die Alten, die Unterdrücker neuer Ideen in der Kunst.“

1917 ist Malewitsch bereits ein bekannter Avantgardist. Im Februar dient er als Soldat in einer Schreibstube. Malewitsch sympathisiert mit anarchistischen-individualistischen Organisationsprinzipien. Während der Revolution engagiert er sich bei den Soldatenräten, tritt als wirkungsvoller Organisator auf und sorgt Ende Mai unter anderem dafür, dass Künstler von der Front abgezogen werden und Kulturbrigaden bilden.

Thomas Mävers, Komposition

Thomas Mävers begeisterte sich bereits früh für britische Agentenfilme, italienische Western und französischer Film Noir, die Filmmusiken von John Barry, Ennio Morricone, und Michel Legrand lassen ihn seither nicht mehr los.

Nachdem Avantgardepop und experimenteller Musik und frühen Erfolgen als Duo STEREO DE LUXE, produziert und schreibt er seither mit oder für RAZ OHARA and the odd orchestra, ELLEN ALLIEN und andere. 2011 gründet er mit der Schauspielerin Nora Tschirner und dem Singer/Songwriter Erik Lautenschläger die Band PRAG, das Debüt „Premiere“ schafft es 2013 auf Anhieb in die Charts, TV Auftritte sowie Konzerte mit der 10-köpfigen Band oder auch mal mit großem Symphonie-Orchester folgen.

Silke Botsch, Montage

Silke Botsch verfügt über 20 Jahre Berufserfahrung als Cutterin für Spielfilme, Dokumentarfilme, Werbespots Musikvideos und interaktive Multimedia-Installationen. Zudem hat sie in Berlin und New York bei der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) viele wertvolle Erfahrungen sammeln können.

Caroline Hamann, Storyboard

Nachdem Caroline Hamann im Jahr 2004 am Camberwell College of Arts, London ihren Abschluss im Zeichnen gemacht hatte, arbeitete sie in der Animations­industrie. Sie begann als Stop Motion Animateurin bei Tim Burton‘s Corpse Bride und wechselte nach 6 Jahren zum Storyboarding. Sie zeichnete schon die Storyboards und machte Designs für den Film Betongold von Katrin Rothe.

Jonathan Webber, Character Design

Jonathan Webber studierte in Essex Design und Typographie. Während den 80er und 90er Jahren entdeckte er sein Talent als Zeichner und arbeitete an unzähligen TV Spots, Titelsequenzen und Musikvideos für Kunden wie Coca Cola, BBC , MTV. 1988 zog er nach Berlin, wo er sich auf animierte TV-Serien und Spielfilme konzentrierte. Er arbeitete für verschiedene Studios Storyboarder, Layouter oder Animator, bevor er 2008 ‚The Big-B Animations Co.’ mit gründete. Er wirkt seit 2003 an den Filmen der Regisseurin mit.

Werner Schweizer, Koproduzent, Dschoint Ventschr

Werner Schweizer studierte an der Universität Zürich Soziologie, Publizistik und Europäische Volksliteratur. Seit 1973 beschäftigt er sich mit Video und Film. Er ist Mitbegründer von Video-Zentrum und Genossenschaft Videoladen, Zürich ZÜRI BRÄNNT und 1994 der Filmproduktionsfirma Dschoint Ventschr AG. 1987-89 realisierte er seinen ersten Kino-Dokumentarfilm. Seither arbeitet er als Autor und Regisseur von Dokumentarfilmen für Kino und Fernsehen. Werner Schweizer ist Absolvent der Europäischen Produzentenweiterbildung (EAVE, 1990) und arbeitet seither auch als Produzent bei Dschoint Ventschr Filmproduktion mit dem Schwerpunkt Dokumentarfilm.

1997 wurden Samir und Swiss für ihre hervorragende Arbeit als Produzenten mit dem Zürcher Filmpreis ausgezeichnet.

Peter Roloff, Koproduzent für maxim film

Peter Roloff arbeitet Seit 1995 er als Produzent für maxim film in Bremen und Berlin und führt auch selbst Regie für Dokumentarfilme. 2005 begann er als Co-Kurator und Produzent des künstlerischen Produktionsnetzwerks Reisende Sommer-Republik zu arbeiten.

Den Schwerpunkt von maxim film bilden lange Dokumentarfilme für Kino und TV, auch als internationale Koproduktionen. Parallel dazu entstehen Kurzfilme, die als praktische Laboratorien ästhetische und dramaturgische Möglichkeiten und Grenzen des bewegten Bildes ausloten.

Internationale und nationale Festivalteilnahmen: Berlinale, Locarno, Dokfest Leipzig, hot docs Toronto, Intern. Film Festival Sao Paulo, Rotterdam, Kassel, Obernhausen, new berlin film award, Filmfestival Max Ophüls Preis Saarbrücken u.a.

Stab & Animationscrew

Buch & Regie: Katrin Rothe
Musik: Thomas Mävers
Montage: Silke Botsch
Storyboard: Caroline Hamann
Character-Design: Jonathan Webber
Schattenfiguren-Design: Nino Christen, Keti Zautashvili
Hintergrundzeichnung: Alma Weber, Caterina Wölfle
Siebdruck: Susann Pönisch
Farbgestaltung und Lettering: Tonina Matamalas
Figurenbau/Kostüm: Hélène Tragesser, Alma Weber, Lydia Günther, Doris Weinberger, Tamari Bunjes, Maria Steimetz
Animation: Lydia Günther, Lisa Neubauer, Caroline Hamann Gabriel Möhring Matthias Daenschel, Jule Körperich
Weitere Animationen: Karin Demuth, Kirill Abdrakhmanov, Caterina Wölfle, Donata Schmidt-Werthern, Thurit Antonia Kremer, Maria Szeliga
Lineproducing Animation: Katrin Rothe
Compositing: Matthias Daenschel, Rainer Ludwigs, Felix Knöpfle, Thorsten Pengel, Katrin Rothe
Kamera Animation: Björn Ullrich, Markus Wustmann
Assistenzen: Anna Maysuk, Gregor Stephani, Donata Schmidt-Werthern, Lara Czielinski, Lina Walde, Knut Rothe, Jenefer Flach
Kamera: Thomas Schneider, Robert Laatz
Ausstattung: Dennis Hannig
Standfotos: Thomas Funk
Sound Design: Anders Wasserfall
Beatbox-Artist: Das Friedl
Geräuschemacher: André Feldhaus, Urs Krüger
Sprachaufnahmen Deutsch: Klemens Fuhrmann, soundcompany berlin audiopost
Sprachaufnahmen Englisch: Ramon Orza, Tonstudios Z.
Musikaufnahmen: Stefan Ulrich, palais aux etoiles
Tonmischung: Oliver Sroweleit, Studio Nord Bremen
Supervisor Postproduktion: Thorsten Pengel
Cutter TV-Fassungen: Fabian Eggenschwiler
Farbkorrektur: Lucas Keßler
Postproduktion: Arno Schumann, Montagehalle
Untertitelerstellung: Cinetyp AG
Wissenschaftliche Beratung: Margarete Vöhringer, Heiko Naumann
Rechtsberatung: Alexandra Hölzer
Lektorat: Astrid Herbold
Übersetzungen: Lydia Nagel, Susanne Rödel, Imogen Rose Taylor, Jekaterina Jevtusevskaja, Interna Translations AG
Zitate in der Übersetzung von Helmut Ettinger aus: Hippius, Sinaida "Petersburger Tagebücher 1914-1919", (c) AB - Die Andere Bibliothek GmbH & Co. KG, Berlin, 2014
Übersetzungen Lyrik Majakowski von Hugo Huppert, mit freundlicher Unterstützung von Helmut PawlikBenua, Aleksandr Nikolajewitsch: „Dnevnik. 1916-1918“, mit freundlicher Genehmigung des Zacharow Verlags Moskau
Archivmaterial "From Tsar to Lenin" von Herman Axelbank Socialist Equality Party / David North
Produktionsleitung: Nicole Schink, Sereina Gabathuler, Rainer Baumert (rbb)
Produktionsberatung: Gunter Hanfgarn
Produktionsassistenz: Liza Cramer, Sophia Rubischung
Redaktion: Dagmar Mielke (rbb/ARTE), Rolf Bergmann (rbb) Suzanne Biermann (ARTE G.E.I.E.), Denise Chervet (SRF Sternstunde) Gabriela Bloch Steinemann (SRG SSR)
Produzenten: Katrin Rothe, Werner Schweizer, Peter Roloff
Produktion: Katrin Rothe Filmproduktion in Koproduktion mit Dschoint Ventschr Filmproduktion (Zürich) maxim film (Bremen) Rundfunk Berlin-Brandenburg in Zusammenarbeit mit ARTE Schweizer Fernsehen und Radio
Gefördert von Medienboard Berlin-Brandenburg GmbH; nordmedia Film- und Mediengesellschaft, Niedersachsen/Bremen mbH; Zürcher Filmstiftung; Stiftung Studienbibliothek zur Geschichte der Arbeiterbewegung
Weltvertrieb: NewDocs, Köln
Verleih: Katrin Rothe in Kooperation mit filmokrat
Presse: Natalie Gravenor

Statement

Die Regisseurin Katrin Rothe über den Film

Woher kam Ihre Idee zu dem Film?

Aus einem dicken Buch. Es war nach Ende des kalten Krieges geschrieben und enthielt viele bis dahin unveröffentlichte Tatsachenberichte von Zeitzeugen. Das war ungeheuer plastisch, ich stellte mir immer vor, wie das damals war. Und dann war es naheliegend, diese Vorstellungen lebendig werden zu lassen. Besonders beeindruckt war ich von der Gedankenwelt der Künstler, die mir selbst gar nicht so fremd war.

Beschreiben Sie die Entstehung des Films!

Es gab kein fertiges Drehbuch, sondern nur eine ungeheure Menge an Quellmaterial, alles spannende Erlebnisberichte. Gemeinsam mit der Storyboarderin Caroline Hamann, mit der ich schon bei ‚Betongold’ zusammenarbeite, haben wir für die historischen und emotionalen Schlüsselzitate eine Bildwelt erarbeitet. Und dann musste experimentiert werden: Wie sieht Legetrickfilm für Kino aus, welche Designs tragen eine abendfüllende Kinolänge und ist dennoch mit einem schmalen Budget realisierbar? Und mitten in diesem Prozess haben wir schon mit der Produktion begonnen. Monatelang wurde animiert, klassisch unter einer Kamera. Jeden Tag ca. 20 Sekunden.

Welches ist Ihre Persönliche Lieblingsszene im Film?

Da gibt es so viele, dass ich sie nicht aufzählen kann.

Welche Szenen stellten bei den Stop Motion Aufnahmen die größten Herausforderungen?

Was wir gemacht haben war letztendlich eine Mischung aus zweidimensionalem Zeichentrick und dreidimensionalem Puppentrick, wir nannten es 2,5D. So etwas gab es in diesem Umfang noch nicht. Ich habe oft gesagt: Leute, wir lösen die Probleme nacheinander! Gleichzeitig haben gerade diese ganzen kleinen Neuerfindungen mir und dem Team großen Spaß gemacht.

Kunst und Revolution sind zeitaktuelle Themen. Welchen Bezug hat ihrer Meinung nach der Film/das Thema des Films zur Gegenwart?

Wir haben sechs ganz unterschiedliche subjektive Sichtweisen: Die fünf Zeitzeugen und meine, die ich durch die Figur der Dokufilmerin im Bild auch transparent gemacht habe. Es ist ein Film, der von heute aus auf die Vergangenheit schaut. Künstler machen keine Revolution, sie haben keine Waffen und sind keine Politiker. Doch sie sind erheblich an etwas beteiligt, was sich mit ‚allgemeine Stimmung’ beschreiben lässt. Was daraus wird können sie nicht kontrollieren, doch sie können diese Verantwortung ergreifen, oder auch nicht.

Dezember 2016

Koproduzent Peter Roloff über den Film

Was wusste ich von der Russischen Revolution? Fast nichts. Ein bisschen: Lenin kommt aus der Schweiz im versiegelten Zug nach Russland. Ein bisschen: böse Bolschewiki. Ein bisschen: Eisenstein.

Da überzeugte mich Katrin Rothes Ansatz s 1917 als Jahr unter die Lupe zu nehmen. Keine Verknappung auf Schlagworte, sondern Abläufe, Zusammenhänge, Widersprüche, Ängste und Hoffnungen.

Und Rothes Vertrauen auf die russischen Künstler als Hauptakteure für ihren Film. Russische Künstler, die dafür berühmt sind das Lebensgefühl ihres Volkes auszudrücken. Sie sind präzise Augenzeugen und zugleich wagemutige Akteure. St. Petersburg schreibt im Jahre 1917 Weltgeschichte.

Das manchmal Skizzenhafte der Animationen macht uns klar: es ist eine Deutung der Geschichte, es ist eine wahre Geschichte des Oktober, aber nicht die wahre Geschichte, es ist Katrin Rothes wahre Geschichte.

Die Animatoren über den Film

Lydia Günther, Animatorin

Majakowski, Gorky, Malewitsch… ich bin mit diesen Namen aufgewachsen, jedoch gehörten sie für mich der Vergangenheit an - aber nicht für Katrin, sie ging mit den Charakteren wie mit Zeitgenossen um. Unabhängig davon, ob sie selbst in der Zeit zurückreiste oder die Figuren in unsere Zeit holte, hatte ich den Eindruck, dass sie mit ihnen im Dialog war. Das machte die Arbeit spannend. Auf dem Tricktisch bekamen die Charaktere ein Eigenleben, sie entwickelten sich. Ich fühlte mehr als ich wußte, welche Bewegung die nächste sein würde, und welcher Gestus welchen Charakterzug offenbaren würde. Dank der wunderbaren Scherenschnitte von Keti Zautashvili wurde auch jede kleine Schattenfigur auf dem Tricktisch lebendig, hatte Bedürfnisse und kämpfte um einen Platz in der Geschichte.

Lydia Günther wurde 1982 in Bolshoi Istok, Russland geboren. Sie studierte Kunstgeschichte und Germanistik an der FU Berlin und Animation an der „HFF Konrad Wolf“ in Babelsberg. Ihr Kurzfilm „Vor dem Spiegel“ war auf vielen international Festivals, unter anderem, in Annecy (Frankreich), zu sehen.

Matthias Daentschel, Animator

Es war eine Herausforderung, die eigentlich flache Legetricktechnik durch Material, Licht und ein paar Kniffe räumlich erscheinen zu lassen, sozusagen einen 2,5D-Look zu kreieren. Die erste Figur war der Schriftsteller Maxim Gorki. Wie verschafft man sich Zugang zu den Gedanken eines toten Dichters? Über seine Texte? Seine Worte? Oder als Animator, indem ich seine Augen lebendig werden lasse.

Matthias Daenschel ist ursprünglich gelernter Theatermaler, arbeitet heute als selbstständiger Diplom-Animator für Kinofilme, TV-Serien und Werbung und gestaltet Projektionen.

Lisa Neubauer, Animatorin

Ich komme ja vom Trickfilm Zeichnen, aber nach diesem Film will ich ab jetzt nur noch Stop Motion machen. Der Animier Prozess ist intuitiver, und ich finde, mit Simplifizierung kann man umso dichtere Szenen erzählen.

Lisa Neubauer arbeitet als Illustratorin und Animatorin seit 2011 in Berlin. Sie ist spezialisiert auf Charaktere und Charakteristisches. Sie wurde an der Animation School Hamburg zur Trickfilmzeichnerin ausgebildet. 

Gabriel Möhring, Animator

Mein Interesse war sofort geweckt: Die Russischen Revolution aus Sicht damaliger Kulturschaffender mit Legetricktechnik zu beleben! Die extra für den Film entwickelte Ästhetik ist einzigartig und ermöglicht während des gesamten Entstehungsprozesses zu experimentieren. Das Wiederbeleben historischer Figuren, wie insbesondere Maxim Gorki, dessen Erzählungen ich sehr zu schätzen wusste, waren sehr bereichernd.

Gabriel Möhrings Kurzfilm „IOA“ wurde auf rund 60 Festivals – einschließlich dem renommierten Festival d’Animation Annecy – gezeigt. Vor seiner Arbeit zum Film wirkte er bei dem Langfilm “Ma vie de Courgette“ (Mein Leben als Zucchini) mit. Gabriel Möhring lebt in der Schweiz.

Galerie

Kinofinder

Berlin
30.9. bis 10.10. Lichtblick
26.10. Urania

Bonn
24./25. Oktober Brotfabrik

Bremerhaven
8.11. Kommunales Kino

Braunschweig
23.10. + 29.10. Universum

Erfurt
24 Oktober Kino im Kubus

Halle
7. November Universität, Hallischer Saal

Jena
11. Oktober Universitätsclub im Café Wagner

Magdeburg
7. November Moritzhof

Mannheim
23. November Cinema Quadrat

Moskau
23. Oktober TERRITORY festival

Oldenburg
ab 13. November Casablanca

Potsdam
11./22./24.29. Oktober Filmmuseum

Saarbrücken
2. bis 5. November Kino Achteinhalb

Stavanger
22. September 16:30Uhr Cinemateque kapittel festival

Schwerin
16. November Capitol

Wasserburg
28. September Kino Utopia

Wien
9. Oktober
31. Oktober aktionsradius.at

Zürich
28. September Theater Gessnerallee
28. September Kulturraum Thalwil

in Arras, Bremen, Dresden, Esslingen, Frankfurt am Main, Göttingen, Hamburg, Hannover, Kiel, Köln, Luzern, München, Münster, Neustrelitz, Osnabrück, Regensburg, Rostock, Tübingen, Weingarten, Weiterstadt, Winterthur Herbst 2017 und in Marokko, Mainz, Würzburg 1918.

Festivals & Events

4.-10. November 2017 - Arras Filmfestival, Pas-de-Calais (F)
6.-12. November - CinAnima 17, international competition, Portugal
24. Oktober - Erfurt mit der Stiftung Ettersberg
20. - 24. Oktober - BIAF 19th Bucheon International Animation Film Festival, Korea (KR)
20. - 23. Oktober - Kapittel, Stavanger International Festival of Literature and Freedom of Speech
23. Oktober - TERRITORY festival Moscow (RU)
20.-24. September - Kapittel festival cinematheque Stavanger (NOR)
9./10. September - FANTOSCHE, International Animation Film Festival (CH)
6. September - Rijeka history filmfestival (HRV)
2. September - KUNSTFEST WEIMAR
13./17.Juli - PERFORM Filmfestival Moskau (RU)
Juli 2017 - Manchester International Festival (GB)
30. Juni - DOKVILLE Stuttgart
25. -28. Juni - 39th Moskow International Film Festival, (RU), offical selection
12. Juni - ANNECY 41e Festival International du Film d'Animation, (F) weltweit größte und wichtigste Animationsfestival, official selection
11. Juni - Bremenpremiere Goethe Theater
18. Mai - mit Prof. Ulrike Weckel in Gießen
4. Mai - Ausstellungseröffnung Animatorium Zürich und Kinostart im Stüssihoff (CH)
3. Mai - Filmkunstfest Schwerin, am 6.5. mit BpB
20. April - Volksbühne Berlin mit Achtung Berlin - New berlin Film Award
21. Januar - 52.Solothurner Filmtage (CH)

Downloads

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Technische Infos (pdf, ca. 40KB)
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In der Presse - Rezensionen (zip, ca.70MB)

Technische Infos

Originaltitel:1917 – DER WAHRE OKTOBER
Produktionsland: Deutschland/Schweiz
Fertigstellungssjahr: 2017
Genre: Animadok – dokumentarischer Animationsfilm
Länge: 90 Min
Beteiligte Sender: / ARTE / rbb / SRF
Vorführformat: DCP, Blue-ray
Auflösung: 4K / 2K
Format: 16:9
Tonformat: Surround 5.1
Sprachfassungen: Deutsch, Deutsch mit EnglUT, Englisch
Untertitel: Englisch
Englischer Titel: 1917 – THE REAL OCTOBER
Französischer Titel: 1917 – LA VERITÉ SUR OCTOBRE
Russischer Titel: 1917 – ИСТИННЫЙ ОКТЯБРЬ

Impressum & Kontakt

IMPRESSUM: Katrin Rothe Filmproduktion, Franz-Mehring-Platz 1, D-10243 Berlin, M. 0163-4724111, info@karotoons.de, www.karotoons.de

BOOKING: Filmokratie, Hans Habiger, T. 030 2332 89292, M. 0179-8357078, habiger@filmokratie.de

PRESSE: Filmokratie, Natalie Gravenor, T. 030 2332 89292, M. 0173-1327303; gravenor@filmokratie.de

WELTVERTRIEB: NewDocs, Köln, www.newdocs.de, +49 22116819743; sales@newdocs.de